Das weisse Dorf

von Teresa Dopler

Schweizer Erstaufführung

«Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Zeit hatte.»

Sie begegnen sich auf einem Kreuzfahrtschiff wieder. Zufällig haben Ruth und Jean die gleiche Reise in den Amazonas gebucht, um der Kälte des Winters zu entfliehen. Vor vielen Jahren kannten sich die beiden ein paar Monate lang, waren verliebt, bis Jean beruflich nach Amerika ging und Ruth eine Stelle in der Schweiz annahm. Man funktionierte selbstverständlich und kam über die abgebrochene Liebesgeschichte hinweg. Vieles blieb zwischen ihnen offen. Inzwischen haben beide Karriere gemacht, haben neue Beziehungen, mit denen sie an Bord gegangen sind. Offensichtlich läuft alles gut. Ruth ist mit Ben seit vier Jahren zusammen, Jean mit der wesentlich jüngeren Lea.

Jetzt stehen Ruth und Jean an der Reling, das Schiff legt ab. Die Freude über die Wiederbegegnung weicht schnell einer Unruhe. Die Luft knistert zwischen den beiden. Durch die Risse des scheinbar perfekten Lebens dringt unerfüllte Sehnsucht.

Die österreichische Autorin Teresa Dopler gewann 2019 mit «Das weisse Dorf» den Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts.